Logenhaus Flensburg


Das Logenhaus

Außenansicht unseres Logenhauses im Nordergraben FlensburgDas Gebäude wurde als Logenhaus geplant und 1902-03 im Auftrag der 1868 gegründeten und auch heute hier arbeitenden Loge „Wilhelm zur nordischen Treue“ gebaut, nach den Plänen des Logenbruders Magnus Schlichting aus Neumünster, dessen Bild im Treppenhaus zu sehen ist neben einem Bild des Hauses in seinem ursprünglichen Aussehen. Die Finanzierung des Baus erfolgte ebenfalls durch Freimaurer-Brüder, vor allem durch den Reeder Heinrich Schuldt, auch Finanzier eines Stifts in der Nerongs-Allee. An ihn erinnert heute noch die Heinrich-Schuldt-Straße.

Mit dem äußeren des Hauses, seiner Fassade, wollte der Architekt ursprünglich an einen klassischen griechischen Tempel erinnern. Schlichting entwickelte allerdings einen Putzbau, er empfand sich als Künstler und war kein Anhänger einer der Architekturschulen, wie andere seiner Bauten bezeugen sollen.

Grundsteinlegung war am 24. Juni, dem Johannistag, 1902, der in der Freimaurerei eine Rolle spielt. Ein Glasbehälter wurde im Grundstein eingemauert, der enthielt wie üblich eine Urkunde, die Pläne des Hauses, die Mitgliedsverzeichnisse der zwei damals hier arbeitenden Logen, eine Abhandlung der Geschichte dieser Logen, ihre Satzungen, dann Münzen, die aktuelle Zeitung und anderes. Im Anschluss an die Grundsteinlegung traf man sich zu einem Festakt in der benachbart gelegenen Gartenwirtschaft „Bellevue“, die 1873 von der Loge „Constantia“ erworben worden war und wo bisher die Logen tagten.

Der Wahlspruch für dieses neue Haus soll gelautet haben „Für das Haus nur das Beste“ und so kam es, dass der Voranschlag von 80.000 Mark stark von den tatsächlichen Kosten in Höhe von 120.000 Mark abwich. Das Haus war für die damalige Zeit gut ausgestattet, z.B. mit einer Zentralheizung.

Das Haus ist heute historisch unverändert folgendermaßen gegliedert:

Im Erdgeschoss die Wohnung des Hausverwalters mit der großen Küche, die früher auch für die Logen-Veranstaltungen gebraucht wurde und deshalb mit einem Speiseaufzug mit der Anrichte verbunden war. In der nächsten Ebene liegen die rituellen Räume, die sogenannten Logentempel.

Im Obergeschoss befinden sich die Festräume, der kleine Saal, dahinter das Meisterzimmer (früher das Spielzimmer) und nebenan der große Saal, der Mozartsaal, der eine unvergleichlich schöne Aussicht über die Stadt bietet.

Im Mozartsaal finden Sie ein Gemälde von Wilhelm I, Stifter der Loge W, preußischer König und Kaiser.

Im Treppenhaus befindet sich ein bleiverglastes Fenster im Jugendstil, das den Segnenden Jesus, Obermeister der christl. Ordenslogen, darstellt. Außerdem ein Bild des Architekten Schlichting und des Logenhauses im urspünglichen Zustand.

Die Fenster im kleinen Festsaal, wie auch das große Jesusbild im Treppenhaus, das von einem Quedlinburger Handwerksbetrieb hergestellt worden war (30.000 Mark vor dem 1. Weltkrieg), wurden erst in den letzten Jahren wieder eingebaut. Sie überstanden die Nazizeit und den Krieg, wurden dann aber bei einer großen Explosion des Waffenarsenals am Kielseng am 14. Juni 1945 zerstört. Glasreste lagerten auf dem Dachboden.

Der Haupteingang: Eine große Freitreppe mit 40 Stufen, die heute leider baufällig ist, führt vom Nordergraben zum Eingang. Über dem Portal mit großer Eingangstür, dass renoviert wurde stehen die Worte: In Deo Spes (Unsere Hoffnung in Gott) .

Vor und nach Nazi- Zeit: Die Gestapo besetzte 1934 das Haus. Es wurde später zwangsweise an die Stadt verkauft und es folgten starke Umbauten, nunmehr wurde es unter anderem als Lager, Heimatmuseum und auch als Luftschutzkeller benutzt.

1935 erfolgte die Schließung aller Logen beziehungsweise Selbstauflösung und Verfolgung der Logenbrüder.

Die Rückübertragung an „Wilhelm zur nordischen Treue“ war im Dezember 1950 bei weiterer teilweiser Nutzung durch die Stadt (1946-47 Polizeipräsidium und Einwohnermeldeamt, weiterhin Heimatmuseum). Dann nach Auszug des Museums 1955 fanden Umbau und Sanierung der großen Festräume durch Spendenmittel statt, 1974 erfolgte die Übergabe an die „Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland“ wegen der Kostenbelastung.

Heute gibt es eine gemeinsame Verwaltung, Grund ist die Sanierungsbedürftigkeit des Logenhauses in der Größenordnung von mehreren 100.000 Euro. Außerdem wurde am 11.04.2003 der Verein Förderverein Logenhaus Flensburg e.V. gegründet mit einem Aufruf zur Mitgliedschaft im Förderverein und Beteiligung an Spenden, um das Bauwerk weiterhin zu restaurieren und zu erhalten.